Beat Breitenstein Kunstwerke zum Nachdenken

Text Steffan Biffiger (www.kunstundbuch.ch)

Der Bildhauer Beat Breitenstein- 1954 in Sissach geboren und wohnhaft im Berner Seeland-arbeitet seit Jahren mit dem Werkstoff Holz und dabei vorwiegend mit dem Holz der Eiche. In seinem eindrücklichen Freiluftatelier in einem Waldstück bei Ins bearbeitet er mächtige, 100-jährige Eichenstämme, die er sorgfältig aussucht, mit der Kettensäge zuerst grob, aber auf den Wuchs des Holzes reagierend, in kleinere Dimensionen bringt, um die Kernholzstücke dann anschliessend - immer noch mit der Kettensäge - fein und präzis zum eigentlichen Kunstwerk zu gestalten.

Der Baum ist bei dieser künstlerischen Umsetzung nicht nur das Material, sondern auch die Verkörperung der in der Natur ablaufenden Vorgänge; er ist Repräsentant des natürlichen Zyklus von Werden und Vergehen.

Gleichzeitig ist so ein Baum wie die eiche aber auch ein Symbol für die Ewigkeit, kann sie doch bis zu dreissig Menschengenerationen überdauern. Und in den alten Religionen - etwa beiden Griechen, den Römern oder den Kelten - war die Eiche ein heiliger Baum, mit ihren tiefreichenden Wurzeln und weit ausholenden Ästen ein sinnfälliger Vermittler zwischen Erde und Himmel. Auch die staatliche Macht stellte sich in ihren Schutz: Unter Eichen wurde Gericht gehalten.

In diesem Zusammenhang lässt sich wohl auch die archaische Wirkung von Breitensteins grossformatigen Stelen und Kuben aus Eichenholz verstehen, die mit ihren grob gesägten Flächen in einfachen Formen gleichsam das Innere des Baumes nach aussen kehren und mit ihrer Präsenz und ihrer wuchtigen Masse den Betrachter beeindrucken.

Während ein klassischer Holzbildhauer normalerweise von aussen nach innen arbeitet und eine Form herausschält, folgt Breitenstein meistens einem anderem Prinzip. Bei ihm entsteht die Form durch Ausschneiden, Aushöhlen, in Teilstücke Zerlegen und dann neu Zusammensetzen,wobei auch die Zwischenräume für die künstlerische Wirkung wichtig werden.

Eine spezielle Eigenschaft des harten, aber gut zu bearbeitenden Eichenholzes nutzt er für eine natürliche Farbgebung: Das Eichenholz enthält viel Gerbsäure. DurchAuftragen von Eisenstaub auf die Schnittflächen reagiert diese, und es bilden sich durch Oxydation eine vereinheitlichende graubraune Färbung des Holzes. Mit dem sparsamen Einsatz von anderen Stoffen wie Glas, Filz oder Blei, die mit dem Holz in ein Spannungsverhältnis treten, erzielt der Künstler weitere Effekte .

Wer im Sommer 2009 die grosse Ausstellung von Beat Breitenstein im Schloss Greyerz besucht hatte,konnte sich anhand der 90 ausgestellten Werke einen spannenden Überblick über seine Bildhauertätigkeit der letzten Jahre verschaffen. Nach den frühen Arbeiten, welche die organische Rundung des Baustammes noch spüren lassen, werden die Skulpturen und Reliefs immer abstrakter und geometrischer; sie lösen sich von der ursprünglich gewachsenen Form und werden völlig neu gestaltet und arrangiert. So wird Verborgenes freigelegt, in einen andern Zusammenhang gestellt und neu interpretiert.

Zu diesen neuen Arbeiten gehören auch die besonderen Boden- und Wandplatten. Es sind Reliefs aus Einzelteilen mit unterschiedlicher  Dicke, so dass ihre Körperlichkeit vor allem durch eine faszinierende Licht/Schatten-Wirkung betont wird. Die Schnittflächen werden zusätzlich noch durch verschieden tiefe Sägespuren belebt und rhythmisiert.

Eine neue, 2009 entstandene, grosse, etwa neun Quadratmeter messende Bodenarbeit nennt der Künstler spielerisch „Parkett A-3“. Damit spricht er aus, an was man beim ersten Anblick seines Werkes denken könnte: an ein Parkett, einen Bodenbelag- eine nähere Betrachtung der Unebenheiten und er vom Boden abgesetzte, zweieinhalb Zentimeter hohe Sockel, auf dem die Holzarbeit liegt, belehren uns dann eines besseren. Bei der zuerst unklaren Ergänzung „A3“ handelt es sich nicht um eine Werknummer, sonder tatsächlich um das DIN-Mass für eine bestimmte Papiergrösse, nämlich 29,7 x 42 cm, den aus 72 Platten dieser Grösse besteht das Bodenrelief. eine genormte Grössenangabe für Papier wird auf Holz übertragen, aus dem Papier schliesslich hergestellt werden kann - eine schöne Gedankenspielerei.

Die aus dem Baumstamm geschnittenen Holzplatten erinnern durch ihre Freilegung an die früheren Zeiten ihres Wachstums; es sind zeitlich gestaffelte Schichtungen, die nun in einer Ebene nebeneinander liegen und zueinander in Beziehung treten.

Auch die unterschiedliche Farbe und Helligkeit der Holzstücke  entsprechen ihrem Wuchs: Kernholz ist in der Mitte dunkler, eher grau-braun, und gegen aussen wird das Holz heller und bräunlicher. Auch diese unterschiedlichen Farbnuancen nützt der Künstler für eine lebendige Gestaltung aus.

Beat Breitenstein, Fauggersweg 25, 3232 Ins

Tel/Fax 032 313 16 39  - info@beat-breitenstein.ch

www.beat-breitenstein.ch


Die neuen Holz-Reliefs sind bei aller Raffinesse ihrer Herstellung sehr schlicht wirkende Werke, die zum Nachdenken anregen und sich ausgezeichnet in den Raum, in dieArchitektur, einfügen; es sind überzeugende Werke des Künstlers Beat Breitenstein, der immer wieder durch seine Experimentierfreude und seine Arbeitslust neue und überraschende Ergebnisse erzielt. Die Erfolge der letzten Jahre mit Ausstellungen in der Schweiz und in Deutschland, und bald auch in Norwegen, zeigen die grosse Wertschätzung, die er sich mit seiner künstlerischen Tätigkeit erarbeitet hat.

                 

  Steffan Biffiger (www.kunstundbuch.ch)

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